RestaurierungsprojektCodex W 298 (7020)Eine Initiative des Förderkreises:Am 3. März 2009 stürzte das Kölner Historische Archiv in der Severinstraße ein. Dabei wurden zahlreiche historische Dokumente von unschätzbaren Wert unter Bergen von Schutt begraben. Erste Stabilisierungsmaßnahmen der Einsturzstelle mit Beton und der später einsetzende Regen, der das Archivgut der Feuchtigkeit aussetzte, führten in der Folge zu weiteren großen Schäden des Bestandes. Mitarbeiter des Archivs und weitere Experten gehen davon aus, dass die Restauration des geborgenen Materials 30 Jahre und die Arbeit von 200 Restauratoren beanspruchen wird. Unter dem beschädigten historischen Material befinden sich auch Urkunden und Handschriften des mittelalterlichen Kölner Gelehrten Albertus Magnus. Dazu gehört die Handschrift mit der Signatur W* f 298. Dieser stark beschädigte Codex enthält den zweiten Kommentar Alberts zur aristotelischen "Nikomachischen Ethik". Allein zu diesem Werk des Aristoteles hat Albert der Große zwei Kommentare geschrieben: Eine erste Fassung von rein erklärendem Charakter wurde von Albert um die Jahre 1250-1252 abgeschlossen und galt der Unterweisung der Dominikanerbrüder innerhalb des ordensinternen Studium generale; der zweite Kommentar entstand um 1262 und ist wesentlich problemorientierter und systematisch selbständiger. Dieser Text wurde noch nicht kritisch herausgegeben, obwohl er für das Verständnis von Alberts Ethik eine tragende Rolle spielt. Genau diese Schrift birgt nun die stark beschädigte Handschrift aus dem Kölner Archiv. Der Förderkreis hat die Patenschaft zur Restaurierung dieser Handschrift aus dem eingestürzten Historischen Archiv in Köln übernommen. Die genaue Kenntnis der Handschriften, die Alberts Werke überliefern, ist sehr wichtig. Gerade in seinem zweiten Ethikkommentar führt Albert aus, zu welchen Fehlentwicklungen die Loslösung unserer privaten und vor allem unserer ökonomischen Interessen von den gesamtbürgerlichen Bedürfnissen führt. In einer ethischen Perspektive betrachtet hat die derzeitige Finanzkrise keinen anderen Ursprung als die Loslösung des bonum privatum und des bonum oeconomicum vom bonum civitatis, also des privaten und des ökonomischen Guts vom Gemeinwohl der Bürger. Um den Menschen in dem zu verwirklichen, was ihn als Mensch auszeichnet, so führt Albert im sechsten Buch seines Ethikkommentars aus, bedarf es der Einsicht, in welcher Weise die verschiedenen Dimensionen des Guten, das private, das ökonomische und das gesamtbürgerliche Gut, einander zugeordnet sind. Es führt zwangsläufig zur Unordnung, so schreibt Albert wörtlich als hätte er die Ereignisse der letzten Monate vor Augen, "wenn nicht das Privatgut durch die ökonomische Vernunft und das ökonomische Gut nicht durch die bürgerliche Vernunft in ihrer Ordnung bestimmt werden". (Vgl. Ethica, VI, tr. 2, c. 24, S. 442b) |
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